Die Mandoline

Praetorius1. Klein aber fein
2. Neapolitanische Mandoline
3. Deutsche Mandoline
4. Die Bluegrass-Mandoline
5. Weitere Verwandte der Mandoline
6. Musik mit Mandoline
7. Mandoline spielen lernen
8. Mandolinen kaufen
9. Literaturangaben
10. Links
11. E-Mail

Klein aber fein

Von vielen Musikern, vor allem von Gitarristen unterschätzt und belächelt, ist die Mandoline dennoch in vielen Musikstilen ein unentbehrliches Instrument. Nicht nur im folkloristischen Bereich, sondern auch im Bluegrass, Country und Dixie gehört die Mandoline immer dazu.

Fra AngelicoMandolinenähnliche Instrumente tauchen schon im 15. Jahrhundert auf einigen Gemälden auf (Fra Angelicos Londener Predelle "Reigen musizierender Engel"). Dort sieht man Lauteninstrumente mit hinterständigen Wirbeln, gewölbter Decke, birnenförmigem Korpus, unterständige Saitenbefestigung und paarige Besaitung. Im Prinzip ist das die genaue Beschreibung einer Neapolitanischen Mandoline, die bis heute eigentlich unverändert gebaut wird. Dennoch wird sie in dieser Zeit noch nicht als Mandoline benannt, sondern das Musikinstrument in den Armen der Engel dürfte eher auf einen Typus "Laute" zurückgehen, der im Asiatischen Südeuropa Zuhause ist. Der Name "Mandoline" taucht erst im 17.Jahrhundert auf.

Bauplan MandolineJe nach Saitenzahl sind folgende Mandolinentypen zu unterscheiden (Sachs 1930):
Florentinische Mandoline mit 5 Doppelsaiten
Neapolitanische Mandoline mit 4 Doppelsaiten
Genuesische Mandoline mit 5 oder 6 Doppelsaiten.

Von diesen Mandolinentypen hat sich eigentlich nur der vierchörige neapolitanische Stil durchgesetzt.. Aus diesem Instrument sind noch zahlreiche andere Mandolinenformen entstanden, so z.B. die Bluegrass-Mandoline oder die Deutsche Mandoline.

Neapolitanische MandolineNeapolitanische Mandoline

Die Bauweise der Neapolitanischen Mandoline ist dem Lautenbau sehr ähnlich. Der Korpus wird aus einzelnen Spänen zusammengesetzt. In den meisten Fällen handelt es hier um Ahorn oder Palisander. Je mehr Späne verbaut worden sind, umso hochwertiger ist das Instrument. Die Decke aus Fichte ist bei guten Mandolinen leicht gewölbt. Der unterständige Saitenhalter ist meist mit einem aus Holz angefertigten Ärmelschoner verdeckt. Mandolinenesaiten haben meistens Schlaufen (Loops). Diese Mandolinen werden überwiegend in klassischen Orchestern gespielt, denn durch ihren bauchigen Korpus, haben die meisten Mandolinen einen sehr weichen Ton.

Deutsche Mandoline

Da die Mandolinen mit Ihrem Spankorpus sehr teuer waren und sind, wurden Mandolinen mit flachem Korpus gebaut. Diese Instrumente bestehen, wie eine Gitarre aus Boden, Decke und Zarge und waren dadurch preisgünstiger weil die Spanverleimung wegfiel. Diese Mandolinen haben einen birnenförmigen Korpus und werden heute sehr gerne im Irish Folk verwandt. Die Besaitung und Stimmung ist genauso wie der der neapolitanischen Mandoline.

Die Bluegrass-Mandoline

Mandoline 2Mandoline 1Diese Bezeichnung ist wirklich irreführend, weil es diesen Musikstil noch gar nicht so lange gibt, wie das Instrument selber. Dennoch hat sich dieser Name einfach durchgesetzt, seit Bill Monroe (1911-1996) um etwa 1935 den Bluegrass als eine neue Countrymusikstilrichtung entwickelte.

Entscheidend für die Entwicklung der Bluegrass-Mandoline waren die ersten Instrumente von Orville Gibson (1856-1918), der mit Hilfe der deutschen Mandoline als Vorbild, eine Flachmandoline entwickelte (www.gibson.com). Er wandelte das Instrument ab, in dem er den Boden und die Decke wölbte. Außerdem dürfte Gibson wohl maßgeblich an der Entwicklung von A- (symmetrisch) und F-Mandolinen (unsymmetrisch) beteiligt gewesen sein. Um 1910 hatten diese neu entwickelten Formen die neapolitanische Mandoline in den USA verdrängt. Jedoch nach dem ersten Weltkrieg ließ das Interesse an der Mandoline wieder nach.
Erst in der 30er Jahren, mit Bill Monroe, gewann die Bluegrass-Mandoline erneut an Popularität. Heute wird diese Mandoline in sämtlichen Musikstilen genutzt.

Weitere Verwandte der Mandoline

Im weitesten Sinne ist die Klassifikation der nächsten Verwandten der Mandoline mit der der Streichinstrumente gleichzusetzen:

Mandoline - Violine Mandola - Viola-Bratsche Mandolocello - Cello

Von diesen "Familienmitgliedern" dürfte die Mandola wohl das Instrument sein, was sich am meisten durchgesetzt hat. Sie wird sowohl im Orchesterbereich als auch in der Folkmusik eingesetzt. Die Mandola unterscheidet sich im wesentlichen durch eine längere Mensur und die daraus resultierende andere Stimmung (C, g, d, a). Es sind im Laufe der Zeit fast ebenso viele verschiedene Typen der Mandola entstanden, wie bei der Mandoline. Es gibt sowohl Mandolas mit Bauch (neapolitanische Bauweise), als welche in F-Form oder in der deutschen Form.

Musik mit Mandoline

Da es so viele verschiedene Mussikstile gibt, bei denen die Mandoline eingesetzt wird, habe ich hier nur eine kleine Auswahl an CD's und Musikern aufgelistet, von denen ich meine, daß sie hörenswert sind:

Bluegrass Album Band
"The Songs of Bill Monroe" Easydisc, AAD 81-96

Dave Methews
Breathe-The Bluegrass Tribute to songs of Dave Methews"

Norman Blake
"Far Away, down on a Georgia Farm"

Dean Magraw
"Broken Silence"

Italien Mandolin
"Funiculi-Funicala"

Kammermusik für Gitarre, Laute und Mandoline
Albeniz Guitar Duo
Werke von Telemann, Vivaldi, Granados, Franck

Mandoline spielen lernen

Es gibt leider kaum Lehrer für Mandoline. So ist man also gezwungen, sich das Spielen mehr oder weniger selber beizubringen. Wenn man sich für Bluegrass- oder Countrymusik interessiert findet man sehr schnell gute englischsprachige Lehrmaterialien. Dort hat man dann die Auwahl zwischen reinen Akkordbüchern und einfachen -schulen, die mit TAB-Systemen arbeiten. Anders sieht das allerdings bei dem klassischen Spielen aus. Da heißt es dann mehr oder weniger "Noten lesen, Töne finden, Augen zu und durch..."

Mandolinen kaufen

In Deutschland ist das Angebot an Mandolinen immer noch nicht sehr groß. Wenn man mal sehen will, was sich so auf dem amerikanischen Markt tut, kann man ein wenig auf den unten aufgeführten Links schauen. Allerdings muß ich eindeutig davor warnen, Mandolinen aus den USA zu importieren, ohne sie vorher gespielt oder überhaupt gesehen zu haben. Da passieren schon mal böse Überraschungen. Eine überraschend gute Mandolinenauswahl habe ich bei www.musik-produktiv.de gefunden. Der Laden hat nicht nur ziemlich viele verschiedene Mandolinen, sondern auch die passenden Ersatzteile, wenn man mal 'nen neuen Steg braucht oder irgendetwas anderes.

Literaturangaben

Hermann Moeck (Hrsgb.): Fünf Jahrhunderte Deutscher Instrumentenbau, Edition Moeck No. 4039, Celle 1987
J.Taylor und P.Sparke: The Early Mandolin, Early Music Series 9, Clarendon Press, Oxford 1989
Curt Sachs: Handbuch der Musikinstrumentenkunde, VEB Breitkopf & Härtel, Leipzig 1930

Links

Ich habe hier ein paar gute Links aufgeführt und sie mit einem Kommentar versehen.
Natürlich sollte sich jeder selber eine Meinung bilden.

www.mandolincafe.com
Das Mandolincafe ist eine der spannensten Seiten im Interent (bezüglich der Mandoline, natürlich). Hier findet man Hersteller, Instrumentenbauer, Künstler, Plattenrezensionen, und jede Menge anderer interessanter Dinge. Auf jeden Fall mal reinschauen.

www.soundtoearth.com
Das ist ein absolut perfekter Instrumentenbauer, der meines Erachtens im Moment fast die besten Mandolinen überhaupt baut.

www.bdz-online.de
Bund deutscher Zupfinstrumente-oder so ähnlich. Hier findet sich ziemlich viel Info über die klassische Mandoline.

www.gruhn.com
Der Gitarren-Vintage-Guru in den USA. Und auch im Mandolinenbereich. In dem Laden in Nashville, hängt so ziemlich alles an alten Gibson-Mandolinen, was man sich nur so vorstellen kann. Außerdem hat Gruhn ein sehr hilfreiches Buch zur Bestimmung von alten Instrumenten geschrieben.

At last not least

Ein paar "vorerst" abschließende Worte. Ich habe natürlich nicht alles aufgeschrieben, was man über die Mandoline schreiben kann und ich werde die Seite auch nach und nach immer wieder ergänzen. Für Anmerkungen wäre ich natürlich dankbar.

E-Mail   Broich @gmx.de